Am Vatertag feiern die Väter (oder auch alle anderen männlichen Wesen vor dieser Bewusstseinsstufe) ihr Dasein. Gerne auch, indem sie sich die Lichter mit Alkohol ausknipsen. Das war noch nie so wirklich mein Ding. Auch nicht seit ich ein Vater bin. Um ehrlich zu sein: seitdem eigentlich noch viel weniger als zuvor.
Angst
Ganz am Anfang stehst Du da und bist glücklich über Dein Kind. Endlich ist es da und Du hast die Hosen voll, das es kaum noch feierlich ist. Dir geht der Hintern gehörig auf Grundeis, und das braucht wirklich kein Papa der Welt abstreiten. Diese Phase gibt es. Wie wird die Zukunft? Wie wird mein Kind? Wie ist das überhaupt mit einem Kind? Was wird sich ändern? Bin ich wirklich ein Papa?... ich könnte diese Liste noch unendlich lange fortführen. Welcher Papa nicht?
Glücklich
Danach, kommt die Zeit, in der Du Dein Kind anschaust und Du einfach nur glücklich bist. Es hat grünen Stuhlgang und Du bist glücklich. “Es” spuckt Dir Muttermilch über den teuren Pullover und Du bist glücklich. Der Babysafe (manche sagen Maxi-Cosi dazu, was natürlich völlig falsch ist) kostet so viel wie ein gutes Autoradio. Egal, Du bist glücklich. Das ist einfach so. Das muss so sein. Normal. Dein Kind ist da, wird auch so schnell nicht wieder gehen und Du bist ein Papa. Für das Kind sogar der Papa, aber das weißt Du natürlich noch nicht. Woher auch? Da Kind, Du glücklich. Passt!
Stolz – Phase 1
Irgendwann einmal lernt Dein Kind neue Dinge: es rollt durch die Wohnung (wie bei uns), es krabbelt, es haut sich den Kopf an, es mag Baden, es mag keinen Saft, es hält sich fest und versucht zu laufen, es fällt um, es zieht die Tischdecke runter… und Du freust Dich, daß ausgerechnet Dein Kind sooo schlau ist und alles so extrem clever und intelligent meistert. Niemand sonst hat so ein wahnsinnig tolles Kind. Natürlich nicht! Und außerdem: die anderen Kinder sind eh alle hässlich! Alle!
Stolz – Phase 2
Irgendwann, schneller als einem manchmal lieb ist (was man natürlich erst später bemerkt), kann das Kind reden. Am Anfang nur die wichtigen Dinge. Hammhamm, Kacka und solche primären Worte. Muss sein. Ist gut so. Und freut den Papa. Jedes Mal. Unendlich. Vermutlich wird das Kind bei diesem Wortschatz eine Nobelpreisträgerin. Muss eigentlich! Kann gar nicht anders kommen.
Stolz – Phase 3
Dein Kind kann inzwischen Worte aussprechen, von denen Du nicht einmal wissen willst, woher es diese kennt. Du erfährst, wer was wann gemacht hat und weshalb die Dinosaurier ausgestorben sind und daß die Tochter demnächst hier oder dort ein Date hat. Zwar nur zum Spielen, aber es ist ein Date. “Fängt früh an”, denkst Du. Aber sind wir mal ehrlich: wie cool ist das denn? Dein Kind wird groß. So unendlich groß. Und so schnell… vor nicht sehr langer Zeit war noch das Kacka grün und nun hat sie Dates…
Überleben
Gelegentlich, also eigentlich fast immer, schleppt Dein Kind dann diverse Krankheiten mit nach Hause ein. Du warst in Deinem Leben noch niemals so sehr von Grippen, Schnupfen und Hustenanfällen geplagt, wie in dieser Zeit. Die Tochter übersteht das meist sehr tapfer: bißchen Husten, bißchen Medizin, kein Jammern, kein Weinen, ultimativ tapfer und gut ist. Du dagegen hängst jedes Quartal für eine Woche in den Seilen und kämpfst um Dein körperliches Überleben. Kindergrippen sind fies. Sehr fies!
Sprachlos
Und dann gibt es noch diese Tage. Sie haben eigentlich keinen Namen, keine Bezeichnung. Du holst Dein Kind überglücklich und mit Sand bis in die Unterhose vom Kindergarten ab und Du unterhälst Dich mit ihr über den Tag: Wer hat wen geschubst, wem wurde von wem Dreck auf den Kopf geworfen, was wurde gebastelt und wer ist gerade krank. Die Tochter kann es berichten. Warum sie das kann und von wem? Keine Ahnung, ist mir eigentlich auch egal. Sie kann es und das zählt. Das ist nicht unser Verdienst, sondern ihrer. Sie ist das Kind. Sie ist die Schlaue, die alles mitbekommt. Absolut alles. Sie hat sich selbst rechts und links beigebracht. Sie kann auf französisch zählen. Sie tanzt wie eine Göttin und kann Fussballspielen. Und sie sagt uns immer mal wieder völlig unvermittelt, daß sie uns liebt. Mein Kind erzählt im Kindergarten den anderen Kindern und auch den Erzieherinnen, daß ich ein lustiger Vogel wäre. Unser Kind hat Fieber, Husten und ist den ganzen Tag völlig KO und fragt uns dann beim Zubettgehen, ob sie brav gewesen wäre. Natürlich war sie das. Sie ist (fast) immer brav. Sie ist das wunderbarste und tollste Kind der Welt!!!
Und weshalb sollte ich mich nun am Vatertag betrinken? Weil ich Papa bin? Da gibt es absolut keinen Grund dafür…